das weisse Gamskitz vom Diemtigtal

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Erlebnisse und Beobachtung eines Wildtierfotografen

Die Faszination und Herausforderung Wildtiere in ihrer freien Laufbahn zu fotografieren und den damit verbundenen Naturerlebnissen begleitet mich schon seit etlichen Jahren. Voraussetzung dafür sind Kenntnisse über die einzelnen Tierarten und ihrem Verhalten. Da ich mehrere Jahre mit Bekannten auf der Hochwildjagd unterwegs war, konnte ich mir gewisse Kenntnisse aneignen. Aber viel Geduld und eine gehörige Portion Glück gehören ebenso dazu.

Am 04. August 2015 startete ich zu einer Tour mit dem Ziel Bilder von den Steinbockkolonien im Diemtigtal zu machen. Die Steinbockkolonie Diemtigtal ist die jüngste in der Schweiz. Das Fotografieren des Steinwild im Diemtigtal ist nicht ganz zu vergleichen mit den Begegnungen im Gebiet Augstmatthorn oder Niederhorn im Gebiet Thuner- und Brienzersee. Das Fluchtverhalten des Steinwild im Gebiet des Diemtigtal, betrachte ich noch als natürlicher. Damit ist auch die Herausforderung für den Fotografen noch etwas grösser. Nun, an diesem Tag entwickelte sich das Wetter nicht nach meinen Vorstellungen und von den Steinböcken war nichts zu sehen. Kein „Haar“ wie man so schön sagt, war auszumachen. Bevor ich mich zum Abstieg entschloss war eine kleine Verpflegung angesagt und beobachtete dabei in grösserer Distanz einige Gämsen bei der Futteraufnahme. Dabei entdeckte ich bei dem kleinen Rudel eine Gamsgeiss welche mit ihrem weissen Kitz unter einer Wettertanne ruhte. Was für ein riesiger Zufall! Ich musste unbedingt meine Kamera mit dem 600mm Teleobjektiv nochmals auspacken. Fasziniert und erstaunt über meine aussergewöhnliche Begegnung konnte ich das Kitz beobachten, wie es auf das liegende Muttertier stand und damit dieses zum Aufstehen zwang. Damit glückten mir auch Bilder vom Säugen. Nach langer Beobachtung dachte ich: Das ist so ein Glück, welches Du als Fotografen nur einmal erlebst.

Mich liess dann der Gedanke nicht mehr los ein weiteres Mal das weisse Gamskitz zu beobachten und eventuell auch fotografieren zu können. Tatsächlich konnte ich das Kitz einen Monat später nochmals ablichten. Ende Oktober, im Wissen dass nun Brunftzeit der Gamsböcke beginnt, begab ich mich wieder in dieses Gebiet. Da hast Du die Chance aus naher Distanz Bilder von den Böcken zu machen. In der Brunftzeit betrachten die Böcke alles was sich irgendwie bewegt als Konkurrenten und kommen auf dich zu. An diesem sonnigen, aber auch windstillen Oktobertag konnte ich aus einer Distanz von ca. 100m vom weissen Gamskitz Bilder machen. Für mich als Naturfotografen einfach eine Riesenfreunde! Zum Schutz des Tieres habe ich auch in Absprache mit dem zuständigen Wildhüter darauf verzichtet, die Bilder in sozialen Medien oder in der Tagespresse zu veröffentlichen. Nun hoffe ich, dass das Kitz den Winter gut überstehen wird. Es handelt sich übrigens um ein Teilalbino, wie dies auf den Fotos ersichtlich ist. Im Frühling 2016 werde ich sicher wieder mal aufbrechen, um dieses seltene Naturphänomen zu beobachten.Bei den Beobachtungen konnte ich feststellen, dass das weisse Kitz im Verhalten gegenüber den anderen sich im Rudel befindlichen Tieren kein spezielles Verhaltensmuster zeigt. Dies ist auch auf den Bildern zu erkennen. Auch gegenüber dem Teilalbino war eigentlich keine abweisende Haltung ersichtlich. Speziell bei den Spielereien der Jungtiere unter einander war überhaupt keine Auffälligkeit feststellbar.Bei der führenden Geiss handelt es sich gemäss dem zuständigen Wildhüter um ein ca. 7-8 jähriges Tier.Aufgrund des Vergleiches mit anderen Gamskitzen im Rudel handelt es sich um ein kräftiges Jungtier. ( Der im Sommer/Herbst entwickelte Körperbau ist aus den Fotos gut ersichtlich).

Eine interessante Beobachtung machte ich dennoch:

Am 23.Oktober 2015 bei sehr warmen Temperaturen auf einer Höhe von ca. 1700 müM war es an den sonnenbeschienenen Südhängen eindeutig zu warm für Gamswild mit ihrem doch schon stark ausgebildeten Winterhaar. Die meisten Tiere hielten sich auf schattigen Felsbändern auf. Das weisse Gamskitz bewegte sich fast ausnahmslos in sonnigen Geländepartien. Ich gehe davon aus, dass mit dem weissen Haar die Wärmeaufnahme weit weniger gross ist, als für die normalgefärbten Gämsen. Aber die Entwicklung der Haardichte ist sicher ähnlich wie bei den anderen Gämsen ( Annahme des Beobachters). Nun ist zu hoffen, dass das Kitz bei der Trennung im Frühjahr von der führenden Geiss die Akzeptanz im Rudel findet. Dies ist meist eine der schwierigsten Zeiten für Jährlinge, auch bei normaler Färbung.

Am 18. Februar 2016 zog dieser Artikel in der Zeitschift „Tierwelt“ weite Kreise. Unter anderem wurde der Beitrag in Blick-online, in der Jungfrauzeitung veröffentlicht. Nicht zuletzt wurde ein News-Bericht mit TeleBärn erstellt. Dies bestätigt mir, wie wichtig es war die Bilder erst jetzt im Winter zu veröffentlichen. Damit ist doch der Schutz dieses Tieres in seinem Wintereinstandsgebiet gewährleistet.

Martin Wymann Verfasst von:

Die Verbindung in der Natur unterwegs zu sein und die schönsten Momente festhalten zu können erfüllt mich mit grosser Freude, aber auch mit Ehrfurcht vor unserer Schöpfung. Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit Naturfotografie. Ich entdecke dabei immer aufs neue wieder aussergewöhnliche Motive in meiner näheren Umgebung, dem Berner Oberland. Wir kennen all die klassischen Motive aus dem Berner Oberland. Aber viele schöne Orte gibt es immer noch zu entdecken. Ganz speziell fasziniert mich das Juwel "Naturpark Diemtigtal". Viele meiner veröffentlichen Berichte und Bilder stammen aus dieser Gegend. Meine Kenntisse und Technik für die Aufgabe als Fotograf, habe ich mir in autoditaktischer Form angeeignet. Heute arbeite ich regelmässig im Auftrag von Tourismusdestinationen und KMU und Anfragen für Anlässe. Bildbearbeitung Die Bilder werden im RAW Format aufgenommen. Alle Bilder stellen die Szenerie möglichst so dar, wie ich sie im Moment der Aufnahme gesehen und erlebt habe. Ich verzichte bewusst auf inhaltliche Veränderungen.

2 Kommentare

  1. Georg Pölzleitner
    August 22, 2017
    Antworten

    Sehr geehrter Herr Wymann,
    nach kurzer Suche im Netz über weiße Gemsen bin ich auf ihre Seite gekommen. Ich hatte am Wochenende das Glück auch ein weißes Gamskitz zu fotografieren. Ich habe das Bild noch nicht entwickelt, da ich sehr spät und sehr müde von der Tour war. Auch ich werde nicht bekannt geben wo ich das Bild gemacht habe.
    Ich habe keine Website.
    freundliche Grüße Georg Pölzleitner

  2. Christoph Neuhaus
    November 28, 2017
    Antworten

    Geschätzter Martin Wymann
    Erdenschön sind Sie, Ihre Fotografien – und nun stellen Sie sich zusätzlich für den Naturpark als Präsident zur Verfügung. Dafür möchte ich Ihnen auf diesem – zugegebenermassen etwas ungewöhnlichen Weg – von Herzen danken und alles Gute wünschen – beim Fotografieren, Präsidieren und wo immer Sie es brauchen können. Herzlich dankt Christoph Neuhaus, Regierungsrat

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